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TU Berlin

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Raus aus dem Hörsaal, rein ins Flugzeug

Welche Studierende der Luft- und Raumfahrttechnik kennen es nicht - die unzähligen Stunden in Hörsälen, wo in akribischer Weise theoretisches Wissen vermittelt wird. Dabei immer mal wieder ein Blick in die Himmel, mit der Frage: "Wie fühlt sich das wohl in der Praxis an?"
Diese Frage können jetzt Studierende des "Flugversuchspraktikums" am Fachgebiet Flugmechanik, Flugregelung und Aeroelastizität (Prof. Dr.-Ing. R. Luckner) beantworten. In Kooperation mit dem DLR und vier weiteren Luftfahrtuniversitäten (RWTH Aachen, TU Darmstadt, TU Dresden, TU München) nahmen sie Platz in einem Forschungsflugzeug und konnten vom 6. bis zum 10. September Flugversuche im "Fliegenden Hörsaal" live miterleben.

Flugversuchspraktikum 2016

Prof. Dr.-Ing. R. Luckner (mittig), Studierende und das DLR-Team vor der Cessna B208 Grand Caravan
Lupe

Vorbereitungen im Simulator - die Versuche durchgehen

Das Flugversuchspraktikum startet bereits in Berlin. Nach einer Einführung erproben die Studierenden die Flugversuche im hauseigenen Simulator SEPHIR. Dort führen Sie unter Anleitung der wissenschaftlichen Mitarbeiter Vikram Krishnamurthy und Alexander Hamann Versuche zur Bestimmung der Flugleistung und Flugeigenschaften des Flugzeuges durch. Die Studierenden sitzen selbst im Cockpit  und steuern das Flugzeug während der Versuche. Dadurch wissen sie genau, was sie später im echten Flugzeug am DLR Braunschweig erwarten wird.

Das Ziel der Reise – DLR-Braunschweig, Abteilung Flugexperimente

Das Aufgebot des DLR-Braunschweigs ist groß. Dr. Felix Geiger (DLR Flugexperimente) hat ein eingespieltes Team von Flugversuchsingenieuren und Piloten aus Braunschweig und Oberpfaffenhofen zusammengestellt, die den Studierenden vor Ort mit Rat und Tat beiseite stehen. Zudem treffen die Berliner Studierenden ein bekanntes Gesicht wieder: der Leiter des Flugbetriebes Oliver Brieger, der an der TU Berlin die Veranstaltung "Experimentelle Flugmechanik" als Gastdozent lehrt.
Zwischen den Flügen gibt es spannende Vorträge, in denen das DLR Einblick in ihre Flotte sowie die Forschung am und mit dem Flugzeug gewährt. Vom Vortragssaal aus kann man den Flugplatz und die Halle mit den Forschungsflugzeugen, u. a. den Airbus A320 ATRA überblicken. Das spornt an. Auch die Studierenden der TU Berlin leisten mit einem Vortrag über die physikalischen Aspekte der anstehenden Flugversuche und der anschließenden Auswertung ihren Beitrag.

Zeit zum Abheben – die Flugversuche mit der Cessna C208B Grand Caravan

Am zweiten Tag beim DLR geht es endlich in die Luft – immer zu sechst plus 2 Piloten und Versuchsingenieur. Die sechs Studierenden der ersten Gruppe gehen mit der Crew in den Briefingraum während die Cessna  betankt wird. Dort wird der Flugablauf erläutert und anhand von Testkarten durchgegangen, auf denen die Studierenden während der Versuche verschiedene Messwerte notieren werden. Danach geht es direkt in die startbereite Cessna auf dem Vorfeld. Die Piloten starten das Triebwerk, rollen zur Startbahn und fliegen los. Von jetzt an begeben sich die Studierenden auf neues Terrain. Im ersten Flugversuch werden Flugleistungen bestimmt. Neben Steig- und Sinkflügen werden Steilkurven mit einer Belastung von 2g und Stallversuche geflogen, bei denen absichtlich ein Strömungsabriss am Tragflügel provoziert wird und das Flugzeug kurzzeitig seitlich abkippt. Die Studierenden sammeln dabei Daten auf ihren Testkarten, die im Anschluss ausgewertet werden und Aufschluss über die Flugleistungen des Flugzeuges geben. Nach erfolgreich absolvierten Tests kehrt die Maschine zum DLR Forschungsflughafen zurück, wo bereits die nächste Gruppe auf ihren Flug wartet.

Im zweiten Flug werden die Flugeigenschaften der Grand Caravan untersucht. Dies stellt die Studierenden (und ihre Mägen) stärker auf die Probe als der erste Flug: Für die Tests regt der Pilot gezielt flugmechanische Eigenformen des Flugzeuges an: Bei der sogenannten Phygoide zieht der Pilot die Nase des Flugzeuges in die Höhe und lässt dann das Steuerhorn los, so dass das Flugzeug eine langsame, aber lang andauernde Schwingung ausführt, bei der das Flugzeug wellenförmig Höhe gewinnt und wieder abbaut. Danach tritt der Pilot beherzt in die Pedale für das Seitenruder. Dadurch regt er die Taumelschwingung an, bei der das Flugzeug sowohl um die Hochachse, als auch um die Längsachse anfängt zu schwingen. Beides sind Bewegungen, die bei modernen Verkehrsflugzeugen durch Flugregelungsfunktionen gezielt unterdrückt werden, um dem Passagier einen angenehmen Flug zu gewähren. Die Studierenden haben diesen Luxus nicht, denn Sie sollen und wollen diese aus der Theorie bekannten Phänomene am eigenen Körper kennenlernen.

Alles Schöne hat leider auch ein Ende - vorerst

Nachdem alle Flugversuche am 9. September beendet waren, gab es keinen, der nicht gerne noch einmal in die Cessna Grand Caravan eingestiegen wäre. Es herrschte große Einigkeit unter den Studierenden, dass sich die mitunter weite Anreise, der relativ kleine finanzielle Eigenbeitrag und Aufopferung der Semesterferien gelohnt hat. Das zeigte sich auch bei der Auswertung der Messdaten, bei der es einen regen Austausch zwischen den verschiedenen Gruppen und Universitäten gab. Die Ergebnisse der Auswertungen wurden am letzten Tag in Braunschweig in kurzen Präsentationen vorgestellt und im Anschluss angeregt diskutiert. Für die Studierenden der TU Berlin endete die Lehrveranstaltung am 23. September mit einer gemeinsamen Abschlusspräsentation am Fachgebiet von Prof. Luckner. Nachdem dieser erste Durchgang der DLR Summer School sowohl auf Seiten des DLR, aber auch bei den Studierenden auf sehr positive Resonanz gestoßen ist, soll die Lehrveranstaltung im nächsten Jahr wieder für Studierende des Masterstudienganges Luft- und Raumfahrttechnik angeboten werden.  Die TU Braunschweig will dann ihr Versuchsflugzeug, eine Do 128, auch für Versuche bereitstellen. Auch haben weitere Luftfahrtuniversitäten ihre Teilnahme angekündigt. Dadurch bietet sich den Studierenden eine hervorragende Plattform, um Netzwerke zu bilden, was insbesondere in der Luftfahrtbranche ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.

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